Touristischen Leistungsträgern fehlt der Zugang zum eigenen Gast.


Den Leistungserbringern fehlt der Zugang zu den Kundendaten – ein modernes Data Management würde ein optimales Reiseerlebnis ermöglichen.

Bastian Kneissl, Sprecher der Plattform TravelTech & Tourism des Bundesverbands Deutsche Startups e.V. stellt vier Herausforderungen in der Tourismusbranche in seinem Impulsvortrag auf dem ITB Kongress vor. Und liefert zugleich Lösungsansätze.

Die Panel-Diskussion rund um das Thema “Datenschatz Customer Data: Wer weiß mehr?” wurde von Dr.Ulrike Regele, Leiterin des Referats Handel und Tourismus, Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK) moderierte, um zu klären, wie Leistungsträger und Destinationen in Zukunft Kundendaten generieren und selbst besser nutzen können.

Herausforderungen für den Tourismus

Bastian Kneissl zeigt auf, dass sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten mächtige Online-Portale (OTAs) etabliert haben, die den Vertrieb von Reisen und Erlebnissen organisieren. Mittlerweile haben diese Online-Reiseagenturen sich zu direkten Anlaufstellen für Millionen von Reisenden entwickelt. Folge ist, dass diese den direkten Kontakt zum Reisenden halten, und nicht der Leistungsträger, der die eigentliche Dienstleistung erbringt.

Bastian Kneissl führt dazu aus, dass in den touristischen Leistungsträgern, wie Hotels oder Destinations-Managements, eine über 30 Jahre gewachsene heterogene Technologielandschaft existiert. Neue Software-Lösungen, um das Servicelevel für den Gast zu erhöhen, können sehr häufig nur unter größten Aufwand zusammengeführt werden.

„Auf der ITB 2019 erleben wir ein echte Aufbruchstimmung. Und vor allem Mut und Wille bei den Leistungsträgern neue und moderne Tools zu testen und einzusetzen. Sobald es jedoch um die tatsächliche Entscheidung für ein System geht, setzt das gewohnte Hadern ein. Es herrscht Unsicherheit und es fehlt an Know-how, die Integration vieler Systeme miteinander zu überschauen.” schildert Bastian Kneissl seine Eindrücke.

Lösungsansätze, um das Potential der Digitalisierung zu nutzen

Das gemeinsame Ziel ist es, Erlebnisse für den Gast zu schaffen. Im Zeitalter der Digitalisierung ist dies nur möglich, indem der Kunde über die bevorzugten Kanäle angesprochen wird und damit auch die favorisierten Endgeräte in die Strategie einbezogen werden.

Die größte Forderung, um einen gerechten Wettbewerb zu ermöglichen, sind offene Schnittstellen. Diese Forderung richtet sich konkret an die großen Online-Portale mit klassischen, geschlossenen Systemarchitekturen, um Daten zusammenzuführen. Startups bieten diese maßgeschneiderten und offenen Lösungen. Die tiefsitzenden Unterschiede in der Systemarchitektur, führen zu mangelnder Systemkompatibilität und verschleppt das Potential der Tourismusbranche langfristig.

Für die Installation eines technologisches Fundaments bedarf es jedoch Mut, finanzieller Bereitschaft und Handlungsbereitschaft von etablierten Anbietern, wie Buchungsplattformen oder Property Management-Systemen.

Digitale Kommunikationsstrategie im Einlang mit der Distributionsstrategie

Ein digitale Kommunikationsstrategie ist keine isolierte Funktion, sondern muss Hand in Hand mit einer digitalen Distributionsstrategie gehen. Destinationen und Leistungsträger, wie Hotels sind die besten Insider in ihrer Region, um dem Gast besondere Erlebnisse zu bieten. Das Know-how liegt hier eindeutig nicht bei den OTAs. Allerdings haben viele Destinationen und Hotels Ihre direkten Vertriebskanäle vernachlässigt.

Gerade über die direkten Buchungsplattformen – Websites zur Buchung von Zimmern und Erlebnissen – entstehen die wichtigsten Kundendaten zur Pflege der Kundenbeziehung. Diese Kanäle müssen neben den Gästekarten und OTA Plattformen dringend wieder in den Fokus rücken und aus eigener Hand installiert und betreut werden. Sobald eine digitale Distributionsstrategie mit dem Fokus auf den eigenen Vertriebskanälen etabliert ist, sind Schnittstellen zu allen Systemen unabdingbar. Nur so können Gästedaten zentral und datenschutzkonform beim Leistungsträger verwaltet werden und zur Umsetzung einer digitalen Kommunikationsstrategie zum Gast analysiert und verwertet werden.

Das Positionspapier mit Handlungsempfehlungen

Die Plattform TravelTech & Tourism möchte mit dem Positionspapier wichtige Impulse setzen: “Wir sehen, dass  noch viel Arbeit vor uns liegt. Wir Startups betreiben seit Jahren massiv Aufklärung und beschäftigen uns intensiv mit den Problemen des Marktes. Um die deutsche Tourismuswirtschaft endgültig auf Kurs in Richtung Digitalisierung zu bringen, benötigen wir dringend Veränderungen auf politischer Ebene und einen kooperativen Austausch mit den großen Marktplayern. Denn eines steht fest, die Wertschöpfung entsteht bei den tausenden Leistungsträgern. Nur wenn es den Hotelbetrieben und Destinationen gut geht – und der Gast sich wohlfühlt – kann es allen gut gehen.” gibt Bastian Kneissl zu bedenken.

Im Positionspapier des Bundesverband Deutsche Startups e.V. “Die Herausforderungen und Potentiale der Digitalisierung für die deutsche Tourismuswirtschaft” führen die TravelTech Startups aus, wie Lösungen für die Tourismus Branche herbeigeführt werden können: https://deutschestartups.org/fileadmin/Bundesverband_Deutsche_Startups/publikationen/Stellungnahmen/20190308_Positionspapier_TravelTechTourism.pdf

Der Bundesverband Deutsche Startups e.V. engagiert sich als Repräsentant und Stimme der Startups in Deutschland. Der Verband steht im ständigen Dialog mit Entscheidungsträgern in der Politik und erarbeitet Vorschläge, wie eine Kultur der Selbstständigkeit gefördert werden kann. Ziel ist es ein gründerfreundliches Deutschland zu schaffen und die Hürden für Unternehmensgründungen abzubauen. Unter dem Dach des Bundesverbands Deutsche Startups e.V. vereinen sich fachübergreifend die aufstrebenden touristischen Startups Deutschlands.

Die Plattform TravelTech & Tourism, als Teil des Verbandes, engagiert sich gezielt, um die digitale Zukunft des Reisens gemeinsam zu gestalten. Als Vorsitzende wählte die Gruppe die Reise- und Tourismusexpertin Maren Koch sowie Bastian Kneissl, CEO und Gründer von Mountlytics. Mehr über den Bundesverband Deutsche Startups e.V. https://deutschestartups.org/